Wenn Schnarchen auch krank macht
In deutschen Betten wird kräftig geschnarcht. Auch kleine Atempausen in der Nacht kommen häufig vor. Stockt der Atem oft, kann das auf eine obstruktive Schlafapnoe, OSA, hindeuten. Diese sollte behandelt werden. Auch Frauen sind betroffen, bei ihnen bleibt die Erkrankung jedoch häufig unerkannt.
Schnarchen als Warnsignal
Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlafft im Schlaf der Rachenraum und fällt zusammen. Durch die Verengung gelangt weniger Luft durch die Atemwege. Der Atem wird flach oder setzt ganz aus, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt und Stresshormone werden ausgeschüttet, oft Dutzende Male pro Stunde. Gesund ist das nicht: Unbehandelt kann die OSA das Risiko für Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen, Diabetes und Bluthochdruck erhöhen. Erholsam ist es auch nicht: Tagsüber plagt viele Betroffene Müdigkeit.
Schnarchen ist häufig ein hörbares Warnsignal für OSA. Oft bemerken Betroffene nicht einmal, dass ihr Körper nachts im Alarmmodus ist; Partnerinnen oder Partner machen sie darauf aufmerksam. OSA kann sich aber auch in weniger bekannten Symptome ausdrücken: „Dazu gehören nächtliches Wasserlassen, schwer einstellbarer Blutdruck, Albträume, depressive Verstimmungen oder Antriebslosigkeit“, erklärt Dr. Mavi Schellenberg, Leiterin des Zentrums für Schlafmedizin an der Thoraxklinik Heidelberg.
„Das Spannende ist, dass gerade Frauen häufiger diese ungewöhnlichen Symptome zeigen“, sagt sie.
Frauen schnarchen zudem seltener und haben häufiger Phasen mit reduziertem Atemfluss statt kompletter Atemstopps. Außerdem häufen sich die Störungen bei Frauen im REM Schlaf, wenn die Muskulatur nahezu gelähmt ist. „Diese Form wird besonders mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen in Verbindung gebracht.“
OSA: Wann das Alter eine Rolle spielt
Die 2018 veröffentlichte SHIP-Trend-Studie der Charite Berlin und der Universitätsklinik Greifswald ergab, dass 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen zwischen 20 und 81 Jahren eine mindestens mittelgradige Schlafapnoe hatten. Diese Ergebnisse gelten als Hinweis, wie häufig OSA in Deutschland verbreitet ist. Je älter Menschen werden, desto häufiger treten nächtliche Atemstörungen auf. Frauen sind zunächst deutlich seltener betroffen. Gründe sind Unterschiede in der Anatomie und Fettverteilung. Zudem wirken weibliche Hormone vermutlich schützend.
Mit den Wechseljahren verändert sich die Situation: Frauen leiden dann fast so häufig an OSA wie Männer. Eine frühe Menopause erhöht das Risiko zusätzlich. Beschwerden würden jedoch häufig den Hormonen oder einer Depression zugeschrieben, so Schellenberg. Untersuchungen zeigen auf, dass noch immer bis zu 75% der Frauen mit OSA nicht diagnostiziert sind. Das liegt auch daran, dass die Symptome oft andere sind und Messwerte sich unterscheiden. Doch auch wenn ihre Messwerte oft weniger auffällig erscheinen, ist ihr Herz-Kreislauf-Risiko nach Einschätzung der Schlafmedizinerin nicht geringer.
Schwere OSA, leichte OSA
Wie schwer eine OSA ist, wurde bisher vor allem anhand der Anzahl Atemaussetzer pro Stunde eingeteilt: 5 bis 15 galten als leicht, 15 bis 30 als mittelgradig, mehr als 30 als schwer. „Das ist eine ziemlich willkürliche Definition“, sagt die Pneumologin. Neue Bewertungsmodelle sollen deshalb zusätzlich Sauerstoffabfälle, Pulsreaktionen, Beschwerden und Begleiterkrankungen berücksichtigen.
Das heißt: Auch Menschen ohne Beschwerden können eine Therapie benötigen, wenn der Sauerstoff nachts immer wieder stark absinkt. Bei leichter Apnoe ohne Beschwerden und relevante Vorerkrankungen reichen zunächst oft Unterstützungen wie Seitenlage, Verzicht auf Alkohol am Abend, ausreichend Schlaf und Gewichtsreduktion. Nach sechs bis zwölf Monaten sollten Werte kontrolliert werden.
Übergewicht ist der wichtigste Risikofaktor, aber nicht der einzige. „Es gibt viele schlanke Menschen mit Schlafapnoe. Das hat vor allem anatomische Gründe, der Rachenraum ist einfach eng“, erklärt Schellenberg. Aber auch Hormone und Störungen des Atemantriebs können eine Rolle spielen.
Verdacht OSA: Und jetzt?
Wer den Verdacht hat, an einer OSA zu leiden, sollte das ärztlich abklären lassen. Als Voruntersuchung dient eine ambulante Polygraphie; bei der Schlafuntersuchung trägt die untersuchte Person über Nacht ein kleines Messgerät. Diese werden von speziell qualifizierten Ärztinnen und Ärzte durchgeführt, neben Hausärzten häufig HNO-, Lungen- oder internistische Praxen.
Bestätigt sich der Verdacht, folgt die Untersuchung im Schlaflabor. Dort wird die Diagnose festgelegt und die Therapie unter nächtlicher Überwachung mittels Polysomnographie, eingeleitet.
Besteht eine gesundheitlich relevante OSA, ist der Goldstandard der Behandlung eine Überducktherapie; bei der sogenannten CPAP-Therapie hält ein Gerät die Atemwege über eine Maske mit leichtem Überdruck offen. Auch Schnarchgeräusche verschwinden hiermit. Die meisten der Betroffenen spüren rasch eine Besserung.
Probleme mit der Maske?
Treten Probleme mit der Maske auf, lassen sich Sitz und Ausstattung meist anpassen. Ein wenig Geduld, Humor und eine positive Einstellung helfen womöglich auch; unterschiedliche Studien deuten darauf hin, dass nur gut die Hälfte das Gerät ausreichend konsequent nutzt– mit Folgen für ihre Gesundheit. „CPAP Therapie hat viele positive Effekte: Senkung des Blutdrucks, des Schlaganfallrisikos, Herzrhythmusstörungen und vieles mehr. Auch Tagemüdigkeit und Depressionen können sich verbessern. Aber nur, wenn man sie anwendet,“ klärt Schellenberg auf.
Und das mindestens vier Stunden pro Nacht. Klar ist allerdings auch: „Wer dauerhaft zu wenig schläft, bleibt trotz Therapie müde“, so Schellenberg. Bei Übergewicht ist Gewichtsreduktion ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Die Zahl der Atemaussetzer nimmt in der Regel ab und die Sauerstoffversorgung stabilisiert sich. Ob die Schlafapnoe vollständig verschwindet, hängt von individuellen Faktoren wie der Anatomie der oberen Atemwege ab.
Wenn die Maske nichts ist
Ist die Maske keine Option, können andere Verfahren weiterhelfen. Bei leichter bis mittelschwerer OSA kommt eine maßgeschneiderte Zahnschiene infrage. Bei mittelgradiger bis schwerer Apnoe und nicht zu starkem Übergewicht kann auch ein Zungenschrittmacher geeignet sein. Ebenso sind operative Eingriffe möglich.
Dr. Schellenbergs Rat, besonders an Frauen: „Wer seit Längerem schlecht schläft, oder morgens dauerhaft müde ist, sollte das ärztlich abklären lassen und dabei auch an eine OSA denken. Erholsamer Schlaf ist ein wichtiger Baustein unserer Gesundheit.“
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